Qualität von Nahrungsergänzungsmitteln: Botanicals im Fokus von Analytik und Regulatorik

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) hatten 2019 in Deutschland ein Marktvolumen von über zwei Milliarden Euro, seitdem mit jährlichen hohen Steigerungsraten. NEM sind ökonomisch erfolgreich – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Ein Nutzen für Verbraucher ist allerdings keineswegs immer vorhanden. NEM können in vielen Fällen Risiken bergen, z.B. durch mangelnde Qualität und falsche Deklaration, durch falsche Verwendung und Fehldosierungen. Dies gilt besonders für diejenigen NEM, die gesundheitsbezogenen Wirkungen suggerieren und damit den Bereich tangieren, der unter das Arzneimittelgesetz fällt. Dies gilt auch für Produkte, die pflanzliche Zubereitungen enthalten, sogenannte Botanicals.
Untersuchungen zeigen, dass bei NEM vielfach deutliche Qualitätsprobleme bestehen, die insbesondere im Bereich der Botanicals durch Produktfälschungen massiv ausgeprägt sind. Eine produkt- und chargenbezogene Routineprüfung der NEM unter Verwendung aussagekräftiger und validierter analytischer Verfahren obliegt derzeit den jeweiligen Herstellern - wie im Lebensmittelrecht üblich. Aufgrund eigener Untersuchungen, Veröffentlichungen der Lebensmittelüberwachung und anderer Quellen ist jedoch zu vermuten, dass in der Praxis solche Produktanalysen von einigen Herstellern wenig sorgfältig durchgeführt werden.
Die Produktkontrolle wird durch die Hersteller teilweise ungenügend durchgeführt, gewählte HACCP-Konzepte und andere Standards scheinen häufig nicht auszureichen, um die Verkehrsfähigkeit sicherzustellen. Falsch ausgestellte Waren-Zertifikate von Zulieferern stellen ein Problem dar, falsche analytische Untersuchungen und Zertifikatausstellungen analytischer Dienstleister bescheinigen falsche Sicherheit. Die Überwachung durch Lebensmitteluntersuchungsämter ist schwierig, da teilweise selektive und validierte aussagekräftige Analysenprotokolle fehlen, Referenzextrakte oder – Standards schwierig zu beschaffen sind und auch die personellen Kapazitäten in den Untersuchungsämtern beschränkt sind.
Auf der anderen Seite finden sich auch NEM-Hersteller, die Produkte mit exzellenter Qualität auf den Markt bringen – häufig kommen diese Unternehmen aus dem pharmazeutischen Bereich, in dem die Qualitätsanforderung auf allen Stufen durchgesetzt und kontrolliert werden und sich auch in der jeweiligen Unternehmenskultur widerspiegeln.
Zur systematischen Bestandsaufnahme der aktuellen Situation findet am 27. Mai 2026 der Expertenworkshop zum Thema „Qualität von Nahrungsergänzungsmitteln: Botanicals im Fokus von Analytik du Regulatorik“
Als Initiator stellt die Universität Münster (Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie) sowie die Gesellschaft für Phytotherapie (GPT) und die international agierende Stiftung Plants for Health (PfH, https://www.plantsforhealth.org/) die Moderation und die Infrastruktur für ein derartiges Forum zur Verfügung. Die Veranstaltung möchte die relevanten Akteure im Bereich NEM (Lieferanten, Hersteller, Inverkehrbringer, Überwacher, Behörden, Pharmabereich) zu einer konstruktiven Diskussion zusammenbringen, um gegenseitiges Verständnis zu vermitteln und ein mögliches Miteinander zu beginnen.Ein weiteres Ziel is die Verbesserung des Verbraucherschutzes.
Das Thema Überwachung sollten Vertreter aus dem Bereich der Landesuntersuchungsämter präsentieren. Da auch die personellen Kapazitäten und übergeordneter Verbraucherschutz eine Rolle spielen, sollten auch die Landesoberbehörden oder zuständige Ministerialvertreter die Kontrollproblematik aus ihrer Sicht kommunizieren. NEM-Hersteller würden zum einen ihre Qualitäts-Konzepte vorstellen, aber auch die Probleme aufzeigen, die sie z.B. im Rahmen der Beschaffung von Rohstoffen (z.B. pflanzlichen Extrakten) auf dem Weltmarkt haben. Auch analytische Dienstleister sollen zu Wort kommen.
Geplant ist somit ein intensiver Workshop mit kurzen, aber aussagekräftige Statements, und ausreichend Zeit für gemeinsamen Austausch und round table Diskussion. Ziel ist es nicht, in ein Klagelied zu verfallen, wie schwierig die NEM-Kategorie ist oder Akteure zu beschuldigen Zu diskutieren sind allerdings die kritischen Punkte in Rohstoffbeschaffung, Verarbeitung, Qualitätskontrolle, Überwachung und Vertrieb und Gründe zu ermitteln, die zu der problematischen Situation im Bereich Rohstoffbeschaffung, Kontrolle durch die Exekutive und im Markt führen. Ziel ist es die gesamte Wertschöpfungskette zu untersuchen, die Schwachstellen aufzudecken und Ursachen zu definieren. Das nächste Ziel wäre dann auch konstruktive Lösungsmöglichkeiten zwischen Hersteller, Behörden, Lebensmittelchemikern, Apothekern und Verwaltungsstrukturen sind zu finden.
Oberstes Ziel sollte eine Verbesserung des Verbraucherschutzes beim Umgang mit NEM sein.
Die Universität Münster, in Kooperation mit den o.g. Fachgesellschaften bietet aus den genannten Gründen ein Forum um in der direkten Interaktion mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen, Probleme zu analysieren und ggf. Verbesserungen im Sinne des Verbraucherschutzes anzustoßen.
Es handelt sich um einen geschlossenen Expertenworkshop.
Datum ist Mittwoch 27. Mai 2026; 09:00 bis ca. 16:30 Uhr, Ort die Universität Münster, PharmaCampus, Corrensstraße 48, Münster.
Das Programm zu der Veranstaltung können Sie hier herunterladen.